Giftschlangen
In der Vergangenheit habe ich mich ausschliesslich mit Riesenschlangen beschäftigt. Inzwischen aber, habe ich mich auf Giftschlangen spezialisiert und halte nur noch ein Pärchen Rotschwanzboas. Auch Alligatoren und Krokodile faszinieren mich sehr. Während die Riesenschlangen zu den “ältesten” Schlangen gehören, sind die Giftschlangen mit ihrer Art der Anpassung Beute zu erlegen die am weitesten entwickelten Schlangen. Von etwa über 2800 Schlangenarten sind nur etwa 270 Arten giftig. Alligatoren sind die ältesten noch lebenden “Sauria”. Das ist sehr interessant, wie sie sich ohne Auszusterben allen Umweltveränderungen anpassen konnten.
Meine Favoriten bei den Giftschlangen sind die Arten von Atheris. Die strubbeligen Schuppen mag ich sehr. Mir gefallen viele Schlangen, die ganz unterschiedliche Ansprüche an ihre Wohnumwelt stellen. Da ich viel Platz habe und es mittler Weile eine Vielzahl an technischen Raffinessen zur Verfügen stehen, ist fast alles machbar. Wie heisst es noch so schön? Jedes Tier ist haltbar, wenn der Aufwand beliebig sein darf!
Allgemeines über Giftschlangen: Es gibt kaum klare Anhaltspunkte zwischen giftigen und ungiftigen Schlangenarten zu unterscheiden. Manche Menschen glauben, Giftschlangen haben ein Zickzackband und geschlitzte Pupillen- das war’s. Eine ganz schön gefährliche Einschätzung, wenn man bedenkt, dass dies noch nicht einmal für unsere heimische Kreuzotter zutrifft: Es gibt rotbraune oder gar lackschwarze Exemplare ohne erkennbares Zickzackband. Viele ungefährliche Arten behelfen sich indem sie das Äussere von gefährlichen Schlangen annehmen ( Mimikry ). Z.B. die harmlose Eierschlange, sie ist leicht mit der hochgiftigen Sandrasselotter zu verwechseln. Oder es gibt Schlangenarten, die vom Bau der Zähne zu den ungiftigen Schlangen zählen, aber deren Biss leichte Vergiftungserscheinungen hervorrufen können. Für Allergiker nicht ganz ungefährlich. Es sei hier noch mal erwähnt, dass Allergiker auf Giftschlangenhaltung verzichten sollten, besonders die die gegen Insektenstiche allergisch reagieren. Mit letzter Sicherheit lassen sich Schlangen nur am anatomischen Bau ihres Schädelskeletts, an ihren Zähnen und an der besonderen Zahnstellung- wie dem gleichzeitigen Nachweis der Giftdrüsen im Oberkiefer- in den Kategorien nicht giftig, wenig giftig oder giftig einreihen.
Es gibt drei verschiedene Giftschlangen: Die solenoglyphen, proteloglyphen und die opistoglyphen Giftschlangen. Im Laufe er Evolution wandelten die Schlangen ihre Speicheldrüsen in Giftdrüsen um. Dieser besondere Speichel dient als Verdauungshilfe durch die eiweisszerlegenden Enzyme und hilft der Schlange sich bei Gefahr zu verteidigen.
Solenoglyph: Der am weitesten entwickelte Giftapperat; Im vorderen Bereich den Oberkiefers sind zwei verlängerte, röhrenförmig- hole Giftzähne, die umgeklappt in einer Schleimhautfalte anliegen. Beim Zubeissen werden die Zähne aufgerichtet und in das Beutetier geschlagen. Nur ein Bruchteil des Giftes wird in das Opfer appliziert und lassen die Beute schnell wieder los. Die Zähne werden von Zeit zu Zeit abgestossen und durch die hinter ihnen stehenden Reservezähnen ersetzt. Ottern, Grubenottern und Vipern gehören zu den solenoglyphen Giftschlangen. Haben sie gewusst, dass z.B. ein abgebrochener Giftzahn binnen 8 Tagen vollständig ersetzt ist?!
Proteroglyph: Giftnattern und Seeschlangen haben lange Furchenzähne, die im vorderen Bereich im Oberkiefer unbeweglich und senkrecht stehend ihren Platz haben. Bei einem Giftbiss dieser Schlangen spielt sich der gleiche Vorgang ab, wie bei Vipern und Ottern.
Opistoglyph: Nattern, Trugnattern zählen zu den ungiftigen Schlangen. Die Boomslang, Vogelnatter und die Lianennatter sind die Ausnahme: denn diese Schlangen besitzen ein sehr starkes Gift, das für den Menschen tödlich ist! Ansonsten muss man sich sehr anstrengen, um einen Giftbiss von einer Trugnatter zu bekommen. Denn die gefurchten feststehend und unbeweglichen Giftzähne liegen sehr weit hinten im Oberkiefer. Man müsste den Finger schon sehr weit ins Maul stecken um einen Biss mit Folgen zu erhalten.
Selbsthilfe bei Giftschlangenbisse: Was tun? Eine Giftschlange hat zugebissen! Nicht immer sind Giftschlangenbisse mit Antiseren zu behandeln. Oft reichen Medikamente. Das Antivenin darf aber auch nicht unterschätzt werden, es handelt sich immerhin um ein Gegengift, welches nur bei absolut lebensbedrohlichen Zustand verabreicht werden sollte und dann meisstens hilft. Beispiel: 2006; Ein kleiner Junge wird ins Krankenhaus gebracht. Er wurde von einer Kreuzotter gebissen und bekam sofort monovalentes Antivenin. Dabei achteten die Ärzte nicht auf Vergiftungserscheinungen, wie blutiger Durchfall, Atemnot, extreme Schwellung u.s.w. Denn wie sich später rausstellte, biss die Schlange mit einem Trockenbiss zu. Der Junge verstarb, weil er ein Antivenin bekommen hatte, obwohl keine Vergiftung im Körper vorhanden war. Deshalb gilt: Antivenin im äussersten Notfall! Denn die Gefahr wird vielfach unterschätzt, nicht nur wie im Beispiel, sondern es können auch Unverträglichkeiten durch das Serum auftreten, die ebenfalls lebensbedrohliche Ausmasse annehmen können! Allergische Reaktionen oder die “Serumkarankeit”. Wenn mich Leute fragen, ob ich Schlangen habe ( meisstens haben sie es in irgendeiner Zeitung gelesen), dann ist die zweite Frage direkt: Auch giftige? Die dritte Frage: ob ich genügend Serum zu Hause habe. ( spätestens!). Wenn ich den Leuten aber erkläre, dass ich vorwiegend Giftschlangen habe, die nicht absolut tödlich giftig sind und Seren nicht vor Ort bereit gehalten werden müssen- bereitet das den meissten verständnisloses Kopfschütteln. Wenn ich ihnen dann erkläre warum, verstehen es sie es dann. Auch ist es einem Laien nicht bewusst wie extrem über alle Masse teuer korrekte Serenhaltung ist. Hat denn jeder einen spezial Labor Kühlschrank mit für jede Art 20 Flaschen Antivenom beriet? Ich glaube nur die wenigsten können sich das leisten. Es ist auch nicht nötig. Wenn man sehr giftige Schlangen hat wie Kobras, Mambas, oder ähnliches dann wäre ein Serendepot sinnvoll. Aber letzten Endes hat der Arzt die Verantwortung für den Patienten und er wird sich hüten Medikamente aus dem Privathaushalt zu verwenden: Weil er sich die Frage stellen muss: Ist es noch haltbar? Wenn ja, ist es auch richtig gelagert worden? Denn wenn es noch haltbar ist aber unsachgemäss aufbewahrt wurde, kann es trotzdem verdorben sein. Und weil der Arzt die volle Verantwortung hat, wird er von dieser Art von Verwendung absehen! Also nach einem Schlangenbiss: Ruhe bewahren, eine Weile beobachten wie es geht. Bei schweren Vergiftungen ins Krankenhaus fahren. Bei neurotoxischen Schlangenbissen abbinden*, bei gewebszerstörenden Schlangenbissen nichts machen- die Extremität in Schonstellung ruhig halten und ins Krankenhaus fahren.
*Abbinden; Technik: Kompressionsverband und Immobilisierung der gesamten vom Biss betroffenen Extremität mit elastischer Binde von unten beginnend ( Druck ca. 55 mmHg > ) venöser Druck im Liegen! Immobilisation durch Schiene, Stock oder Brett. keine Bewegung der Extremität, keine Lockerung der Bandage vor Erreichen der Klinik und nicht vor Möglichkeit der Antiveningabe. Vor Abnahme der Bandage, einen offenen venösen Zugang legen. Bereitliegen von Antivenin, Adrenalin und Kortison für eventuellen anaphylaktischer Reaktion. Möglichkeit zur Intubation und Beatmung.
Gefahren bei der Komressionsmethode: * Vergrösserung lokaler Nekrosen. * Bei zu fester Bandage, im Extremfall Nekrose an der gesamten Extremität möglich. * Starke Zunahme der Schwellung. * Boluseffekt des Giftes beim Lösen der Bandage mit möglicher verhementer Giftwirkung.
Daher ist wegen der möglichen Gefahren diese Methode nur bei stark neurotoxischen Giftschlangenbissen anzuwenden!
Rufnummer bei Vergiftung von Giftschlangen: Sichere Identifizierung nur mit lateinischen Namen des Tieres möglich!
Bernhard- Nocht Institut für Tropenmedizin in Hamburg: Oberarzt der klinischen Abteilung, Dr. Hinrich Sudeck: 040- 428180Antiseren/ Antivenine ( Beschaffung ):
Atheris ssp.: Antirept Pasteur ( polivalentes Antiserum ) Aventis Pasteur MSD Paul- Ehrlich Strasse 1 D- 69181 Leimen Tel: 06224- 5940
Vipera berus berus: European viper venom ( Polivalentes Europäische Vipern ) ( Vipera berus hat auch ein monovalentes Antivenin Tropenmedizin Hamburg ) Inst. of Immonology Croatia 37075 Göttingen Tel: +49- 89- 19240
Bothriechis schlegelii: UK London SE 145 ER Anvoley Road Polivalentes Antivenom Instituto Clodomiro, Costa Rica Tel: +44- 20 -77715394 Crotalus cerastes: CROFAB (Crotalide ) Polyvalent Serum Depot Berlin e.V. Dieter Preissler, 53773 Hennef Tel: 0049- ( 0 ) 2242- 9697113
Aspidelap lubricus lubricus: Kein Antiserum vorhanden.
Calloselasma rhodosthoma: Malayan Pit Viper Antivenin, monovalent ( equine ): Queen Saovabha Memorial Institut Thailand/ Thai Red Cross Society
In vielen Krankenhäusern Deutschlands erhältlich.
Giftschlangenhaltung in Niedersachsen: Verboten?!
Landesrechtliche Regelungen: Die “VO über das Halten gefährlicher Tiere” die in Niedersachsen bereits seit 1980 in Kraft ist, wurde durch eine neue, gleichnamige Verordnung vom 05.07.2000 ( Nds. GVBI.200, 149 ) ersetzt. Die Regelung verbietet grundsätzlich die nichtgewerbliche Haltung von Giftschlangen- und seit Inkrafttreten der neuen Verordnung- Giftechsen. Ausnahmen können im Einzelfall zugelassen werden, wenn keine Gefahren entstehen können ( Beweislast liegt beim Tierhalter ) und wenn Seren und Behandlungsempfehlungen ( vom Landkreis oder der kreisfreien Stadt vorgeschrieben- hierfür war bisher die Gemeinde zuständig ) bereit gestellt werden. Weitere Auflagen sind möglich, die Genehmigung ist zu befristen und unter Vorbehalt jederzeitigen Wiederrufes zu erteilen.
Auflagen von Ordnungsamt Landkreis Rotenburg Wümme:
Auflagen können von Gemeinde zu Gemeinde - oder Landkreise- unterschiedlich sein! Sicherheitsanforderungen an die Haltung von Giftschlangen. Bei der Haltung von Giftschlangen sind die Sicherheitsvorschriften der Länder zu beachten. Unabhängig davon, sind u.a. folgende Anforderungen an die Haltung von Giftschlangen zu stellen: ( Wurde mir vom zuständigen Veterinär ausgehändigt )
-Es muss eine entsprechende Sachkunde und langjährige Erfahrung von Schlangen von Seiten des Halters vorhanden sein.
-Der Halter muss zuverlässig sein ( Führungszeugnis ).Entsprechende Antiseren müssen verfügbar sein ( häufige Erneuerungen notwendig, da nur befristete Haltbarkeit! )
-Die Fenster des Raumes, in dem sich die Giftschlangen befinden, müssen vergittert sein.
-Räume die zur Haltung giftiger Tiere Verwendung finden, dürfen nicht als Wohnräume genutzt werden.
-Zwischen Giftschlangenraum und Haustür muss sich mindestens eine fluchtsichere Tür ( abgedichtete Ritzen ), die geschlossen gehalten wird befinden.
-Wenn Pflegearbeiten vorgenommen werden oder mit dem Tier hantiert wird, sollte sich stets eine zweite Person in Rufweite befinden.
-Ein Notfall- und Alarmplan mit folgenden Angaben ist an gut sichtbarer Stelle im Raum aufzuhängen: Verantwortlicher Betreuer oder Zweitbetreuer, Liste der gehaltenen Tiere, Hinweise zum Vorgehen bei einem Unfall, erreichbarer Arzt, Ort der Lagerung des erforderlichen Serums, Notrufnummern von Feuerwehr und Polizei.
Hoffendlich wird in Deutschland eine bundeseinheitliche Regelung für die Haltung gefährlicher Tiere verabschiedet. Die Politiker diskutieren bereits seit einiger Zeit darüber. Es bleibt hierbei zu hoffen, dass bald eine vernünftige einheitliche Regelung geben ohne ein generelles Haltungsverbot. Nur leider ist es wie immer schwierig, dass sich alle Bundesländer einig sind. So viel zum Thema Einigkeit und Recht und Freiheit... Ein Paradoxum, oder?! Sind doch viele Regelungen Ländersache und oft sehr unterschiedlich.
Ganz wichtig! Eine am besten schriftliche Erlaubnis zur Haltung von Schlangen oder Giftschlangen beim Vermieter einholen! Sonst droht die fristlose Kündigung. Nachbarn sollten fairer Weise aufgeklärt werden. Die Wohnumwelt muss mit dieser Art von Tierhaltung einverstanden sein! Ich habe eine Genehmigung zur Haltung von Giftschlangen in Niedersachsen. Man muss einen Antrag beim zuständigen Ordnungsamt einreichen und bei der Gemeinde ein polizeiliches Führungszeugnis beantragen. Der zuständige Veterinär kommt vorbei um zu sehen, ob die oben genannten Auflagen erfüllt werden können. Ein separater Raum muss verfügbar sein, das Fenster vergittert, eine Fluchttür muss vorhanden sein. Der Raum wird ausschliesslich zur Haltung von Schlangen/ Giftschlangen genutzt. Der Raum ist abschliessbar und alle Terrarien sind durch Schlösser gesichert. Ein Sachkundenachweis und Terraristik Gefahrenprüfung der DGHT wurde anerkannt. Der Nachweiss langjähriger Schlangenerfahrung wurde auch erbracht. Anstelle der Serenhaltung gilt in meinem Fall auch die Mitgliedschaft des Serendepot Berlin eV. Da ich die private Serenhaltung aus genannten Gründen ablehne. Im Raum befindet sich ein Alarmplan mit der lateinischen Bezeichnung meiner Tiere. Die Terrarien sind entsprechend gekennzeichnet. Der Gewerbeschein wurde beantragt, und die Eintragung einer Firma im Handelsregister. Der Veterinär hat mir ( Prüfung vor Ort ) einen §11 Schein ( Handeln und züchten von Schlangen ) ausgehändigt um das Gewerbe führen zu können. Da ja die nichtgewerbliche Giftschlangenhaltung generell verboten ist! Dem zuständigem Veterinär sind sämtliche Papiere vorzulegen, da dieser die Genehmigung erteilt. Es ist etwas umständlich, aber die illegale Gifttierhaltung zieht empfindliche Strafen nach sich. Bei Personenschäden treten weder Krankenkassen ( die Kassen zahlen erst, holen aber ihre Kosten beim Halter wieder ein ), noch Versicherungen dafür ein. Man muss das aus eigener Tasche zahlen! Es gibt aber bei legaler Gifttierhaltung eine Haftpflichtversicherung. Auch zahlen die Krankenkassen, wenn ein Bissunfall passiert ( bei legaler Giftschlangenhaltung ) die Behandlungskosten.

Abstand